politomie

15
Aug
2007

eu weltweit

eu worldwide
[graphik direkt bei wikipedia]

das obige bild ist aktuell bild des monats bei wikipedia. man sieht darauf die europäische union und die zu ihr gehörenden und mit ihr assoziierten gebiete auf der welt. eine zur obigen graphik passende übersicht gibt es ebenfalls bei wikipedia.

als ich dieses bild entdeckt habe, ist mir spontan die türkei eingefallen. warum? naja, diverse politiker haben ja bei der frage, ob die türkei mitglied der europäischen union werden solle, ihre ablehnende antwort unter anderem damit begründet, dass die türkei größtenteils in asien liegt. wenn ich mir aber diese karte aus wikipedia anschaue, dann wirkt ein solches argument ziemlich lächerlich. (die kopenhagener kriterien reichen als grundlage für einen beitritt echt aus.)

hline

13
Aug
2007

diskordianismus statt kreationismus

im bei heise erscheinenden technology review habe ich einen artikel gefunden, der mir gut gefallen hat. unter dem titel "streit um darwin" diskutiert peter monnerjahn die forderung der hessischen kultusministerin wolff, künftig den so genannten "kreationismus" gleichberechtigt neben der etablierten darwinschen evolutionstheorie im biologie- unterricht zu behandeln.

nach einer einführung sortiert monnerjahn erstmal ein paar begriffe, die in der debatte immer mal wieder bunt durcheinander gewürfelt werden:

"Tatsachen sind Daten, die wir über die Welt sammeln; Theorien sind Strukturen, die die gesammelten Daten erklären und interpretieren."

das macht er dann noch ein bisschen konkreter, indem er eine geläufige definition für den begriff der wissenschaftlichen theorie gibt:

"Eine wissenschaftliche Theorie ist in der Definition des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper, die vielen Naturwissenschaftlern seit über 50 Jahren als Goldstandard der Wissenschaft gilt, eine Erklärungsstruktur, die prinzipiell widerlegbar sein muss, Vorhersagekraft hat und und bestimmte Ereignisse ausschließt."

dann kommt er recht schlicht wieder zum ausgangsthema seines artikels zurück:

"Die Biologie ist unbestritten eine wissenschaftliche Disziplin, da sie Beobachtungen macht, die zu Theoriebildungen führen, die einer experimentellen Überprüfung zugänglich sind. Durch die parallele Wortwahl "Evolutionslehre" und "Schöpfungslehre" scheint Frau Wolff anzudeuten, dass man es mit gleichwertigen Ideen zu tun hat. Das ist nicht der Fall."

naja, und natürlich ist das bei frau wolff und konsorten immer mal etwas unübersichtlich in der argumentation, worauf sich monnerjahn bezieht, um dann auch gleich klar und aus meiner sicht gut nachvollziehbar auf den punkt des ganzen zu kommen:

"Eine tatsächliche Gleichwertigkeit ziehen darüber hinaus auch Wolff und ihre Unterstützer nicht in Betracht – durchaus vernünftig, denn eine Schöpfung, die zu demselben Ergebnis wie ein beliebiger evolutionärer Prozess führt, ist per Definition nicht widerlegbar, da auch jede denkbare Alternative durch göttliche Intervention erklärbar wäre."

was dann natürlich frau wolffs vorschlag als glatten unfug entlarvt, weil der kreationismus genauso viel wissenschaftlichkeit enthält wie etwa das fliegende spaghettimonster. den so genannten "kreationismus" als angeblich wissenschaftliche "theorie" in den biologie- unterricht aufnehmen zu wollen, entpuppt sich mithin als versuch einiger christlicher kreise, ihre propaganda über den religionsunterricht hinaus in die köpfe der kinder zu hämmern. als gläubiger atheist mächte ich da beinahe "pfui, teufel!" rufen. viel lieber möchte ich doch sehen, dass der diskordianismus in die lehrpläne aufgenommen wird. der regt wenigstens fröhlich zum denken an. fnord.

hline

1
Aug
2007

mach mit: ein grundgesetz für schäuble

das redblog hat eine feine aktion gestartet. man kann sich nämlich beim bundestag gratis bis zu drei exemplare des grundgesetzes bestellen. und wie redblog zurecht anmerkt, sollte man auch herrn "stasi 2.0" schäuble mal dringend so ein grundgesetz zukommen lassen. die bestellungen kann man bei der serviceabteilung des bundestages aufgeben. wäre schön, wenn dann bei vielen leuten dieses bild auf dem monitor erscheint:

hline

2
Jul
2007

die linke wählen?

der tagesspiegel hat eine umfrage gemacht. "könnten sie sich vorstellen, die linke zu wählen?" hier das ergebnis:

umfrage des tagesspiegels von anfang juni 2007: koennten sie sich vorstellen, die linke zu waehlen?

also ich find das ein gutes ergebnis. zwar ist es leider nicht repräsentativ. aber auch, wenn der tagesspiegel in berlin erscheint und seine leserschaft sich von der der bild oder der faz unterscheidet: mir hat's gefallen. *g*

hline

26
Jun
2007

'ne idee vom gysi

bei youtube hab ich ein kleines video entdeckt, dass zwar ein schlechte tonqualität hat, aber einen interessanten inhalt: gregor gysi entwickelt eine idee für mehr basisdemokratie:



[direkt zum gysi]

hline

20
Jun
2007

fauler "kompromiss"

mann mann mann, das nennen telekom und ver.di also einen kompromiss. ver.di hatte ja genug gründe aufgezählt, warum der streik dort nötig ist. statt der von der konzernleitung geforderten 12 prozent kriegen die betroffenen 52.000 telekom-beschäftigen "nur" 6,5 prozent vom lohn abgezogen. dafür "dürfen" sie in der woche vier stunden länger arbeiten. und in die "servicegesellschaften" werden sie auch ausgegliedert. bis voraussichtlich 2012 werden sie dabei nicht rausgeschmissen. was dann kommt, weiß niemand. damit spart die telekom mal eben mehrere 100 millionen euro ein. und bietet gleichzeitig für die übernahme von orange in den niederlanden 1,6 milliarden euro. nennt man sowas eigentlich "gelebter kapitalismus"? oder so?

ich hab mich ja zuerst gefragt, wieso die ver.di-oberen so eine geballte unverschämtheit eigentlich annehmen. nun denk ich mir, telepolis hatte über die arbeitskampfmaßnahmen ja recht süffisant berichtet unter der überschrift "streiken sie schon - oder ist das noch service?" und wenn man mal ehrlich ist - dieser streik hat die konzernführung einfach nicht unter druck gesetzt.
  • was bringen sechs wochen streik, wenn die noch verbliebenen beamten nicht mitstreiken oder wenigstens durch "dienst nach vorschrift" den laden lahm legen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn außer bei t-com nirgends im konzern gestreikt wird, die unmittelbar betroffenen kollegen also alleine dastehen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn man damit die konzernführung nicht genau dort trifft, wo es weh tut, nämlich bei den einnahmen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn man nicht effektiv dagegen vorgeht, dass die konzernleitung illegalerweise leiharbeiter als streikbrecher einsetzt?
summa summarum denke ich, dass die ver.di-führung die situation wieder einmal falsch eingeschätzt hat. letztlich hat sie tausende telekom-beschäftigte in einen streik geführt, der so schlecht geplant war, dass er nicht ausreichend druck entfalten konnte. das hat mich beim letzten großen streik im öffentlichen dienst schon geärgert. damit erreicht die ver.di-führung nichts als ein ausbluten der kriegskasse und unzufriedenheit bei den kollegen, die wieder einmal das gefühl bekommen, nichts erreicht zu haben.

hline

15
Jun
2007

knallharte kaderschule

die financial times deutschland versucht sich an einem bisschen humor: "schlägt ihr herz links?" lautet die frage, der man dort mit einem "quiz" nachgehen kann. allerlei simple multiple- choice- spielchen bringen drei mögliche antworten hervor. entscheidet man sich z.b. für die neoliberalen antwortmöglichkeiten, lernt man:
  • "Hoffnungslos,
    Sie sind nichts für die neue Linkspartei. Mit Ihrem neoliberalen Zeitgeist würden Sie bereits an der Pforte des Karl-Liebknecht-Hauses abgewiesen. Die FDP wird sie dagegen mit offenen Armen empfangen."
man kann sich aber auch für antworten entscheiden, die in etwa der gegenwärtigen politik der spd entsprechen. dann erfährt man:
  • "Nein,
    ein ordentlicher Linker wird nicht aus Ihnen, obwohl sie der ein oder anderen Idee nicht abgeneigt sind. Versuchen Sie Ihr Glück lieber als rechter Sozialdemokrat, linker Christdemokrat oder bürgerlicher Grüner."
soweit, so gut. aber was lernt man, wenn man tatsächlich das ankreuzt, was aus dem wasg-programm abschrieben sein könnte? folgendes:
  • "Lieber Genosse,
    herzlich Willkommen an Bord der MS Lafontaine. Reste bürgerlicher Gesinnung werden wir Dir in unserer knallharten Kaderschule schon noch austreiben. Aber keine Angst Genosse, Dein Herz schlägt am rechten Fleck."
holla! vielleicht sollte ich den macher dieses spielchens mal in meine ganz persönliche "knallharte kaderschule" einladen. würde mich ja doch irgendwie interessieren, durch welche seltsame kaderschule die jungs da bei der ftd so gehen... *muharhar*

hline

fdp vs linke

soso. der herr westerwelle holt die alte parole "freiheit oder sozialismus" wieder aus der mottenkiste. und herr gerhardt warnt vor personenkult um fidel castro. heieiei. wovon reden die? für wie blöd halten sie die leute? nunja, irgendwas muss die fdp halt auch sagen. und sei es ausgemachter unsinn.

auf der anderen seite hat papa bisky sich bei judith holofernes bedient: "wir sind gekommen, um zu bleiben." ist auch ne parole. hat aber wenigstens ein bisschen mehr realitätsbezug. herzlich willkommen, fünf-parteien-system.

hline

7
Jun
2007

merkel vs greenpeace

es dürfte sich wohl schon rumgesprochen haben, dass die g8 ihren "großen erfolg" feiern, dass sie sich einigen konnten, es "in erwägung zu ziehen", vielleicht bis 2050 den co2-ausstoß zu halbieren. wunderbar. so retten wir ganz bestimmt die welt. aber neben diesem gequirlten unsinn gab es noch ein kleines highlight betreffend arroganz der macht.

bei der verkündigung ihres "großen erfolges" wurde angela merkel von einem reporter gefragt, inwieweit die g8-teilnehmer etwas von den zahlreichen protesten mitbekämen, ob sie sich belagert fühlten und dass ja greenpeace versucht hat, mit booten zum gipfelort zu kommen, um für den klimaschutz zu protestieren. nachdem merkel erstmal erzählte, dass beim gipfel alles schön sei und man sich von den vorgängen draußen nicht gestört fühle, musste sie sich dann unbedingt noch über greenpeace lustig machen: "greenpeace hat auch schon seriösere aktionen gemacht. hoffentlich haben sie nicht zu viele treibhausgase ausgestoßen mit ihren booten."

hline

warum randale?

ich weiß nicht warum, aber ich habe in meinem postfach ein mail der dkp düsseldorf vorgefunden, in der diese zu einer demo heute nachmittag aufruft. thema ist, wen wundert's, der g8-gipfel. ich bin kein freund von verschwörungstheorien und weiß nicht, was ich von dem ganzen halten soll, aber ich will euch folgende punkte nicht vorenthalten:
  • Im Neuen Deutschland wird berichtet, dass "zwei ältere Damen" just die "vermummten schwarz gekleideten" Menschen, die die ersten Steine warfen, tags zuvor bei einer "polizeilichen Lagebesprechung" in einem feinen Innenstadtlokal gesehen hätten.
  • Fotografen und viele Augenzeugen haben gesehen, dass die Kleidung der ersten Steinewerfer nagelneu war, dass sich darunter olivgrüner Körperschutz befand etc.
  • Dutzende von Zeugen bestätigen, dass die ersten Steinewerfer definitiv nicht aus dem Inneren des "schwarzen Blocks" wareen, dass es massive vielmehr Rufe und Versuche gab ("Lasst euch nicht verarschen, die gehören nicht zu uns"), um die aufflammende Eskalation der Steinwürfe zu stoppen.
  • Die beiden Polizeifahrzeuge, die den "Anlass" für die Steinwürfe gaben, waren unübersehbar wie ausgeworfene Köder präsentiert.
  • Wie es der Zufall wollte, waren die Polizisten, die die Köder umstanden, aus der berüchtigen Schlägertruppe aus Berlin.
  • Gezielt war die Zahl der Demonstration auf 25.000 heruntergelogen und als Drohkulisse in Kontrast zu "fünf- bis achttausend" TeilnehmerInnen des "schwarzen Blocks" gestellt.
  • Medien wie das ZDF hatten hellseherischerweise ihre Übertragungswagen nicht in der Nähe der vom Konfliktfeld etwa 150 Meter entfernten Bühne, sondern exakt dort, wo die "Schlacht" dann startete.
  • Die Steinwürfe wurden nciht von der Polizei gestoppt, sondern von Tausenden von Demonstranten, die sich zwischen die Fronten begabren, die überraschten Steinewerfer "entwaffneten etc.
  • Doch statt nach dem Abflauen der ca. 30-minütigen Keilerei zu deeskalieren, stürmten starke Polizeikräfte mit Wasserwerfern die gesamtdemonstration und entfachten eine Orgie der Gewalt von Tränengas, Wasserwerfern, wahlloser Prügelei gegen Zehntausende friedlicher Demonstranten mit erhobenen Händen (incl. Rollstuhlfahrern) etc.
  • Selbst trotz dieser Provokationen gelang es nicht, den geplanten "Bürgerkrieg" anzuzetteln, sondern die Kundgebung ging weiter, zehntausende "tanzten die Polizeikräfte vom Platz" wie immer wieder in allen Medien am Rande bestätigt wurde.
  • Viele Lügen der Polizei platzen inzwischen wie Seifenblasen: Es gibt keine verwüstete Innenstadt in Riostock - die Steinwürfe und Brände beschränken sich auf ein kleines Areal am Rande der riesigen Demonstration. Es gibt keine Hunderten von schwerverletzten Polizisten, die Krankenhäuser Rostocks widersprachen und meldeten lediglich zwei im Krankenhaus für wenige Stunden bzw. eine Nacht stationär behandelte Polizisten, die Polizei musste den Wahrheitsgehalt diese Information mittlerweile einräumen. Es gibt keine Stimmung der Bevölkerung in Rostock gegen die Demonstranten - selbst am Rande der "Krawalle" äußerten Rostocker ihr Verständnis und ihre Solidarität.
  • Das Bundesverfassungsgericht hat gestern in einem Urteil den polizeistaatlichen Charakter der Maßnahmen in Rostock udn Heiligendamm juristisch in aller Deutlichkeit benannt. Was dort stattfindet ist die Aushebelung des Rechtsstaates, der Weg in eine Polizeidiktatur.
  • Und gestern schließlich gab es dann die erste Enttarnung eines "schwarzen Gewalttäters" der für die Polizei als Provokateur arbeitete. Er musste von der Polizei vor dem berechtigten Zorn tausender friedlicher Blockierer gerettet werden. Zu sehen war dies live heute Nacht bei RTL.
[...]

Abgesehen davon, dass die Steinwürfe im Gesamtkontext der Demonstration eine Randerscheinung waren, steht die Frage: Wem nützen diese Steine, wem nützt diese "Schlacht"? Die Antwort ist eindeutig, eindeutiger geht es nicht mehr: Dem G8, der Polizei. Sie hat die Herrschenden aus allerhöchster Legitimationsnot gerettet. Denn die "Schlacht" hat schlagartig das Bild komplett gewendet:
  • Sämtliche Repressionen im Vorfeld - Geruchsproben, Razzien, Sperrung der Grenzen etc. - alles war plötzlich legitimiert. Der breiten öffentlichen Kritik war jeder Boden entzogen.
  • Der Aufwand für die Heerscharen von Militär, Polizei, privaten Sicherheits- und Repressionskräften, für den Zaun, für die Sperrzonen usw., für die Kosten in sechsstelliger Millionenhöhe - alles war schlagartig legitimiert, die immer mehr und heftiger um sich greifende Kritik war delegitimiert.
  • Der grundgesetzwidrige Einsatz der Bundeswehr in Heiligendamm - er war schlagartig in der Versenkung verschwunden.
  • Das breite politische Bündnis mit großer politischer Stoßkraft - es war in Nullkommanix Gefahr gebracht, die Spaltung gesät.
  • Die schlagenden Argumente der G8-KritikerInnen - sie waren vom Tisch und verdrängt durch die "Gewaltdebatte".
  • Die geplanten Verschärfungen des Repressionsapparats und noch weiter gehende Repressionsfantasien bis hin zum kompletten Demonstrationsverbot und dem Einsatz von Schusswaffen gegen Demonstranten - all das fand Raum für widerspruchslose Präsentation.

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