
in einem jüngst erschienenen artikel berichtete die
herald tribune von der ankündigung des obersten anti- drogenkriegers der usa, john walters, dem leiter des büros für nationale drogenkontrollpolitik (ondcp), dass die us-regierung die afghanischen mohnfelder mit dem pflanzenvernichtungsmittel
roundup besprühen lassen werden. aus schlafmohn wird opium gewonnen, die grundlage für die herstellung von heroin. mittels des herbizids mit dem wirkstoff glyphosat soll nun dem mohn binnen 20 jahren der garaus gemacht werden.
das klingt zunächst für viele menschen einfach und recht harmlos. ist es aber nicht. ganz im gegenteil: walters' ankündigung bedeutet, dass die us-regierung weite landstriche afghanistans systematisch vergiften will, mit verheerenden folgen für menschen, flora und fauna.
bereits seit 1992 praktizieren die usa in kolumbien diese form der chemischen kriegsführung. im rahmen des von der us-regierung initiierten und finanzierten "plan colombia" wurden mehrere hunderttausend hektar land in dem andenstaat mit eben jenem herbizid glyphosat besprüht, um die coca-pflanze auszurotten und damit die grundlage für die produktion von kokain zu vernichten.
in den besprühten gebieten kolumbiens wurden nicht nur die coca-pflanzen geschädigt. laut
unesco courier berichteten experten des uno-flüchtlingswerks unhcr bereits 2001 von der "wahllosen zerstörung des dschungels, legaler anbauprodukte, der arzneipflanzen und der fischbestände". weiterhin verzeichneten sie einen starken rückgang des tierbestandes und kontaminierte flüsse. die menschen in den besprühten gebieten litten an zahlreichen gesundheitsschäden: hautschädigungen, magen-darm-krankheiten, fieber, kopfschmerzen, erbrechen seien bei der bevölkerung alltäglich. über 20.000 menschen seien aus den vergifteten regionen geflohen, ein teil von ihnen fand zuflucht in flüchtlingslagern der unhcr im ekuadorianischen grenzgebiet.
obwohl die us-militärs für ihren "plan colombia" über eine milliarde dollar ausgaben und damit eine menschliche und ökologische katastrophe verursachten, kann von einem erfolg bei der eindämmung der kokain-produktion nicht die rede sein. für zehntausende bauern in kolumbien und den angrenzenden staaten ist die coca-pflanze die einzige möglichkeit, für sich und ihre familien einigermaßen das überleben zu sichern. deshalb reagierten sie seit jahren verstärkt mit der verlagerung und weiteren ausdehnung der anbauflächen. überdies berichtete joshua davis im
wired magazine vom november 2004 von coca-pflanzen, die gegen glyphosat resistent sind.
die chemische kriegführung der us-regierung hat sich damit als das herausgestellt, was es ist: ein grausamer akt sinnloser barbarei.
einer, der sich hingegen freuen kann, ist der agrochemie-konzern
monsanto, der hersteller des herbizids "roundup". bereits zwischen 1992 und 1998 wurden auf 260.000 hektar kolumbianischem land rund
drei millionen liter "roundup" versprüht. zwischen 2000 und 2005 waren es
rund 660450 hektar besprühtes land.

da klingeln die kassen in der konzernzentrale in st. louis. und das beileibe nicht zum ersten mal. schon im vietnam-krieg lieferte monsanto (damals: dow chemical) das berüchtigte entlaubungsmittel
agent orange, an dessen folgen noch heute zwischen 500.000 und vier millionen vietnamesen leiden.
das leid, dass die produkte von monsanto verursacht haben und verursachen, ist den konzernchefs aber offensichtlich auch weiterhin egal. nach vietnam und kolumbien bekommen sie nun die chance, auch afghanistan großflächig zu vergiften und damit herrliche renditen zu erwirtschaften. das ist die frohe botschaft zur adventszeit, die uns der "drogenzar" der us-regierung john walters verkündet hat. widerlich.