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20
Jun
2007

fauler "kompromiss"

mann mann mann, das nennen telekom und ver.di also einen kompromiss. ver.di hatte ja genug gründe aufgezählt, warum der streik dort nötig ist. statt der von der konzernleitung geforderten 12 prozent kriegen die betroffenen 52.000 telekom-beschäftigen "nur" 6,5 prozent vom lohn abgezogen. dafür "dürfen" sie in der woche vier stunden länger arbeiten. und in die "servicegesellschaften" werden sie auch ausgegliedert. bis voraussichtlich 2012 werden sie dabei nicht rausgeschmissen. was dann kommt, weiß niemand. damit spart die telekom mal eben mehrere 100 millionen euro ein. und bietet gleichzeitig für die übernahme von orange in den niederlanden 1,6 milliarden euro. nennt man sowas eigentlich "gelebter kapitalismus"? oder so?

ich hab mich ja zuerst gefragt, wieso die ver.di-oberen so eine geballte unverschämtheit eigentlich annehmen. nun denk ich mir, telepolis hatte über die arbeitskampfmaßnahmen ja recht süffisant berichtet unter der überschrift "streiken sie schon - oder ist das noch service?" und wenn man mal ehrlich ist - dieser streik hat die konzernführung einfach nicht unter druck gesetzt.
  • was bringen sechs wochen streik, wenn die noch verbliebenen beamten nicht mitstreiken oder wenigstens durch "dienst nach vorschrift" den laden lahm legen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn außer bei t-com nirgends im konzern gestreikt wird, die unmittelbar betroffenen kollegen also alleine dastehen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn man damit die konzernführung nicht genau dort trifft, wo es weh tut, nämlich bei den einnahmen?
  • was bringen sechs wochen streik, wenn man nicht effektiv dagegen vorgeht, dass die konzernleitung illegalerweise leiharbeiter als streikbrecher einsetzt?
summa summarum denke ich, dass die ver.di-führung die situation wieder einmal falsch eingeschätzt hat. letztlich hat sie tausende telekom-beschäftigte in einen streik geführt, der so schlecht geplant war, dass er nicht ausreichend druck entfalten konnte. das hat mich beim letzten großen streik im öffentlichen dienst schon geärgert. damit erreicht die ver.di-führung nichts als ein ausbluten der kriegskasse und unzufriedenheit bei den kollegen, die wieder einmal das gefühl bekommen, nichts erreicht zu haben.

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