14
Jan
2007

my teen spirit

es war anno 1991, dass es mich nach weinheim verschlug. lust darauf hatte ich nicht. in meiner vorstellungswelt war das damals noch der böse kapitalistische westen. angekommen bin ich erst jahre später. zur wendezeit hatten wir an unserer schule statt "staatsbürgerkunde" das neue fach "gesellschaftskunde". statt der ddr-verfassung lernten wir dort nun das bundesdeutsche grundgesetz kennen. in meinem bild der brd tauchten nun begriffe wie meinungsfreiheit, redefreiheit, pressefreiheit auf. faszinierend. toll. als ich nun also in den westen ziehen musste, tat ich das mit dem vorurteil, dass in der schule wenigstens heiße debatten und spannende diskussionen auf mich zukommen würde. dachte ich. als ich dann die realität kennen lernte, empfand ich das zunächste schlimmer als die ddr-schule. nicht, weil ich nicht sagte und sagen konnte, was ich dachte. nein, es war vielmehr das völlige desinteresse, welches die allermeisten meiner neuen mitschüler dem gesellschaftlichen geschehen entgegenbrachten, welches mich damals schockte. sie schluckten einfach alles, was ihnen in der schule vorgesetzt wurde. es widerte mich an.

zu den neuerungen in meinem leben gehörte damals auch der konsum von mtv, damals noch auf englisch. (und mal ehrlich, wer von uns hat damals nicht mit mtv englisch gelernt?) im herbst 1991 sah ich auf mtv ein video einer mir bis dato unbekannten band. die band hieß nirvana und der titel smells like teen spirit. der track haute mich um:



das saß. es traf genau mein unbehagen mit der situation in meiner neuen umgebung, dieses gruselige "entertain us" um mich herum, während die ganze welt sich dramatisch veränderte. da wusste ich endlich, ich bin mit meinem unbehagen nicht allein. da mussten noch mehr draußen rumlaufen, denen es ging wir kurt cobain und mir. so wurde smells like teen spirit zu einem der wichtigsten songs in meinem leben.

wie komme ich grade darauf? ich habe bei jazz radio polska ein cover gehört. nicht, dass es nicht schon viele cover des tracks gebe. immerhin hat sich ja auch tori amos schon vor jahren daran versucht:



und überdies kursiert im netz auch eine gruselige swing-version von smells like teen spirit von paul anka, die zwar musikalisch ein hübscher locker-flockiger swing ist, aber mit ihrer präsentation das anliegen von nirvana auf widerliche weise pervertiert:



nein, die version, die ich auf dem feinen jazz-sender gehört habe, stammt von the bad plus. und es ist die erste cover-version, die ich persönlich für halbwegs gelungen halte (auch, wenn das jazzige hörereignis zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist):



oder sieht das jemand anders?

hline

Trackback URL:
//darkrond.twoday.net/stories/3183334/modTrackback

fr. hase - 14. Jan, 21:30

und ich hab ein lustiges live von type o negative.. von dem ich mich irgendwie nicht trennen kann obwohl ichs nie höre..
mmhm. gewöhnungsbedürftig seh ich eigentlich nicht so.. hat eine feine dunkle stimmung mit diesem hübsch eindirnglichem bass. aber gut meine boxen sind unter aller.. *hust* aber mir gefällts.

Inferno (Gast) - 15. Jan, 01:36

oh yeah...die version erinnert mich stark an meine ersten versuche den song auf dem keyboard nachzuspielen! =)
wenn schon cover, dann gefällt mir persönlich aber die tori amos-version auf ihre ganz spezielle art besser.

graeza - 16. Jan, 00:55

abgesehen davon, dass ich persönlich cover-versionen zu meiden versuche - einfach, weil es zu viele schlechte gibt - und auch weiter abgesehen davon, dass jazz nicht mein steckenpferd ist : dem herrn anka als auch frau amos unbedingt vorzuziehen.
wobei meine mama mich DAFÜR nun schelten würde, liebt diese doch den herrn anka so sehr :)

maloXP (Gast) - 16. Jan, 03:05

Ach, Ironie ist doch auch ein Stilmittel. ;)
Kennste die Coverversion von Eläkeläiset? Humppanirvana heisst die und ist besoffene Polka. Sehr cool.
Interessante Geschichte, nebenbei bemerkt. Ich kann mir das richtiggehend vorstellen. weil ich die Bürgersöhnchen in meiner westdeutschen Sozialisation auch so empfunden habe. Interessanterweise war auch für mich Nevermind in gewisser Weise Initiation. Allerdings erst '98.

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