frauen mit knacks
"Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm noch keusch noch sittlich sein, lauter Kunstprodukte von einem gewissen, aber immer zweifelhaft bleibenden Wert, weil es an Echtheit und Natürlichkeit fehlt. Dies Natürliche hat es mir seit lange angetan, ich lege nur darauf Gewicht, fühle mich nur dadurch angezogen, und dies ist wohl der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knacks weghaben. Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d.h. Schwächen und Sünden willen. Sehr viel gibt mir auch die Ehrlichkeit, der man bei den Magdalenen mehr begegnet als bei den Genoveven. Dies alles, um Cécile und Effi ein wenig zu erklären."
(theodor fontane in einem brief an colmar grünhagen vom 10. oktober 1895)

autor: theodor fontane
titel: "effi briest" & "cécile"
ort: ditzingen (reclam)
jahr: 1986
viel geschmähte romane allemal, aber auf den zweiten blick doch recht spannend.
(theodor fontane in einem brief an colmar grünhagen vom 10. oktober 1895)


autor: theodor fontane
titel: "effi briest" & "cécile"
ort: ditzingen (reclam)
jahr: 1986
viel geschmähte romane allemal, aber auf den zweiten blick doch recht spannend.
darkrond - 5. Jul, 17:11
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks

bawor - 8. Jul, 13:10
ich bin noch nie einer ohne knacks begenet...
darkrond - 8. Jul, 18:28
ich finde das zitat von fontane vor allem vor dem hintergrund des üblichen frauenbildes im wilhelminischen deutschland sehr schön. wenn man daran denkt, wie bieder die romane von ihm heute wirken... damals jedenfalls gab es vernichtende urteile, die z.b. von "gräßlichen hurengeschichten" und ähnlichem schwadronierten. und da finde ich es erfrischend, dass fontane das damalige idealbild der "braven tugendhaften frau" als reichlich uninteressant hinstellt. sowas trauten sich damals nur wenige.
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