Das Wecken
Man ist ohnehin. Das Ich bin ist auch zuweilen wie da. Doch immer nur halbwegs, sich zu nahe. Kein Bin geht schon aus sich heraus.
Zwar kümmert das leiblich nur wenig. Denn dem Leib steht es an, daß er sich nicht spürt. Er meldet sich nur, wenn er hungert und vor allem, schneidend, wenn er verletzt ist. Oder, wohlig, auf dem Wege dessen, was er braucht, was ihn sättigt. Dieser Weg leitet jedoch ebenso wieder ins gesunde Nichtfühlen des Leibes über. Wogegen das eigentliche Da unserer sebst, wenn es sich zu melden anschicken sollte, nur seelisch vorkommt. Sei es auch bloß das Merken des Nicht-Da, worin wir genau unser nächstes Jetzt zwar leben, doch nicht erleben. Doch selbst zum Merklichen des Nicht-Da wird nur oben, kopfoben, geweckt. Dies Merken klingt nicht immer angenehm; im dunklen Ist, als das man sich unmittelbar befindet, stimmt etwas nicht. So kommt das erste ritzende Da, fragend durchaus.
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aus: ernst bloch, verfremdungen i, frankfurt/main 1962
ernst blochs anfang von "verfremdungen i" ist für mich eine der schönstens ersten seiten in philosophischen büchern überhaupt. er kann eben nicht nur denken, er kann auch schreiben. *schwelg*
Zwar kümmert das leiblich nur wenig. Denn dem Leib steht es an, daß er sich nicht spürt. Er meldet sich nur, wenn er hungert und vor allem, schneidend, wenn er verletzt ist. Oder, wohlig, auf dem Wege dessen, was er braucht, was ihn sättigt. Dieser Weg leitet jedoch ebenso wieder ins gesunde Nichtfühlen des Leibes über. Wogegen das eigentliche Da unserer sebst, wenn es sich zu melden anschicken sollte, nur seelisch vorkommt. Sei es auch bloß das Merken des Nicht-Da, worin wir genau unser nächstes Jetzt zwar leben, doch nicht erleben. Doch selbst zum Merklichen des Nicht-Da wird nur oben, kopfoben, geweckt. Dies Merken klingt nicht immer angenehm; im dunklen Ist, als das man sich unmittelbar befindet, stimmt etwas nicht. So kommt das erste ritzende Da, fragend durchaus.
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aus: ernst bloch, verfremdungen i, frankfurt/main 1962
ernst blochs anfang von "verfremdungen i" ist für mich eine der schönstens ersten seiten in philosophischen büchern überhaupt. er kann eben nicht nur denken, er kann auch schreiben. *schwelg*
darkrond - 16. Jan, 02:32
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